Gewässer- und Landschaftspflegeverband (GLV) Teufelsmoor
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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung: Herausgeber und Verlag: M. Simmering, Lilienthal

Schütt und Klappstau

oder: Wie das Moorwasser gebändigt wurde

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Sie erinnern sich an den Artikel „Gegen das Zuwenig und Zuviel" - über die sogenannten „Wasserlösen" (siehe HEIMAT-RUNDBLICK NR. 72, S.17)? Darin war die Rede von Schütt und Klappstau. Wie diese beiden Wassersperren beschaffen waren und wie sie von Torfkähnen überwunden werden konnten, ist Thema des folgenden Artikels

 

Wenn auch der Zufluss aus den Wasserlösen und den Grenzgräben zwischen den Höfen ausreichend Wasser in die Schiffgräben brachte, so waren wegen des Gefälles zusätzlich Staustufen erforderlich, um für die Schifffahrt eine genügende Wassertiefe zu garantieren. Dafür wurden zunächst überall im Moor ganz einfache „Schütte" eingebaut. Sie bestanden aus dem eigentlichen Staubrett, auch Schott genannt, dem Boden und den Wänden, alles aus dicken Bohlen hergestellt. In den Wänden befanden sich die Führungen, in die das Staubrett von oben hineingeschoben wurde. In der Mitte des Staubrettes war ein gezähntes Kantholz befestigt. Wofür? - Wollte ein Schiff das Schütt passieren, musste das Staubrett vorübergehend entfernt, also herausgezogen werden. Das war gar nicht so einfach, sondern eine sehr mühevolle Arbeit. Schließlich konnte man sich nicht eben mal breitbeinig über den Graben stellen, um das Schott zu ergreifen. Zum „Herausziehen" des Staubrettes legte man einen sogenannten Hebebaum, also einen langen, stabilen Staken, auf einen Pfahl am Ufer, setzte das eine Ende in die oberste Kerbe des Kantholzes und drückte das andere Ende nach unten. Damit hob sich unter Ausnutzung der Hebelkraft das Staubrett um mehrere Zentimeter und der Hebebaum konnte in die nächst tiefere Kerbe eingesetzt werden. Wieder den Hebebaum runterdrücken, in die nächste Kerbe einsetzen, runterdrücken usw., bis das Staubrett hochgehoben war. Am oberen Ende des eingekerbten Kantholzes befand sich ein Loch. Durch dieses wurde ein Seil gefädelt, mit dem das Schott abschließend herausgezogen werden konnte.

 

Bei jeder Durchfahrt eines Torfschiffes war diese umständliche Prozedur erforderlich. Jedes Mal wurde das Schott hochgehebelt und schließlich rausgezogen. Klar, dass dabei immer sehr viel Wasser verloren ging.

 

Aus Arbeitsersparnis und um den Wasserverlust möglichst gering zu halten, fuhr man daher in Gruppen. In den Satzungen der Kahnfahrt-Genossenschaften wurde dies als Flottenfahrt bezeichnet. Für die Organisation dieser Gemeinschaftsfahrten wurden von Amts wegen Grabenordnungen erlassen und ein „Schüttherr" (so etwas wie ein Schleusenwärter) eingestellt. Dieser hatte zu festgelegten Zeiten die Schütte zu öffnen und zu schließen.

 

Eine Gemeinschaftsfahrt begann in Fließrichtung gesehen vom oberen Ende des Dorfes, wobei sich die Gruppe von Hofstelle zu Hofstelle vergrößerte und am unteren Ende des Dorfes alle Schiffe in einer Reihe hintereinander herfuhren.

 

Die Rückfahrt ging in der selben Weise vor sich, nur dass die Arbeit des Schüttherrn am unteren Ende des Kanals begann, aber erst, wenn der letzte Nachzügler angekommen war.

 

Beim Klappstau wird weniger Wasser verschüttet

 

Eine wesentliche Verbesserung brachten dann später die Klappstaue. Sie waren ähnlich wie die Schütte konstruiert. Boden und Wände bestanden auch hier aus dicken Brettern, die von Pfählen gehalten wurden. Um zu vermeiden, dass sich das Wasser unter dem Boden oder neben den Wänden seinen Weg suchte, waren hier Spundwände geschlagen. An Stelle des Schotts befand sich eine elastische Klappe aus Latten, die an der Unterseite mit Lederstreifen verbunden waren. Die untere Latte war am Boden des Bauwerks befestigt. An den Seitenwänden wurde die Klappe durch gekrümmte Hölzer gehalten.

 

Bei einer Durchfahrt drückte der angeschrägte Bug und der flache Boden des Torfschiffes die Klappe herunter. Nach der Durchfahrt schnellte die Klappe allerdings durch den Wasserdruck wieder von selbst hoch. Es war also keine Bedienung durch einen Schüttherrn mehr erforderlich, der Wasserverlust war wesentlich geringer und jeder Moorbauer konnte fahren, wann er wollte.


 

Bedienerfreundlich, wassersparend, individuell

 

Trotz all dieser Vorteile mussten Moorkommissar Witte und Kanalvogt Müller viel Überzeugungsarbeit leisten, bis zuerst in Eickedorf und dann in weiteren Dörfern die Klappstaue eingebaut wurden. Manche Dörfer blieben sogar bei den Schütten.

Die Klappstaue bewährten sich besonders in dem 1850 gebauten Umlaufkanal in Lilienthal.

Mit dem Erlöschen der Schifffahrt in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts verfielen die Staue. Seit einigen Jahren jedoch kann man im Rautendorfer Schiffgraben in Seebergen wieder den Nachbau eines Klappstaues besichtigen.

 

Gerhard Gehrens

 

Benutzte Literatur:

Heimatbuch Neu St. Jürgen

Rabenstein, Peter, Jan vom Moor, Fischerhude

1982 Dorfchronik Überhamm

 
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